Tuesday 28May2013
00:33 CET
Immer diese Vorurteile! Dachte ich. Mir so. Auslaender machen dies, Auslaender machen das. Ich bin jetzt Auslaender und ich weiss nicht ob ich dies oder jenes so mache. Was ich weiss, ist das Vorurteile oft stimmen weil sie tief in den Adern, den Venen, Knochen und Genen stecken. Ueber viele Jahre hinweg durch Vater und Mutter vererbt. Ein Vorurteil hat sich heute bestaetigt. Wenn eine Auslaenderin ein Kind bekommt, ist die gesamte Familie dabei.
Die Freundin einer Bekannten ist heute umgekippt. Noch bevor sie ohnmaechtig wurde, rief sie den Krankenwagen und ab ging es ins Hospital San Roque. Hier in Maspalomas. Von dort rief sie nach einer kurzen Untersuchung meine Bekannte an. Sie muesse ins Insular Krankenhaus nach Las Palmas, mehr koenne sie nicht sagen und legt auf. Wir also ab ins Auto und nach Las Palmas gerast. Dort schickte man uns zur Gynokologie. Dort durfte man uns erstmal auch nichts sagen und bat uns ins Wartezimmer Nummer drei.
Wir betreten das Zimmer und finden uns inmitten zwei dutend laut sprechend, lachend, wild gestikulierenden Meute. Ein Blinder erkennt das es sich um zwei Familien handelt. Die eine steht an der Fensterseite des Raumes, die andere an der Wand. Wir setzen uns in die mitte und warten. Der Laerm ist unertraeglich. Zeitweise tippen 5 Frauen gleichzeitig in ihre Smartphones und das WhatsApp Standardgeraeusch verraet ihre Handlung.
Ich kann ihre Posts riechen, so viel Oestrogene schweben durch den Raum.
"Juanita hat die Wehen!"
"Juanita ist im Kreissall!"
"Juanita wir sind bei Dir!"
Schrecklich. Wenn ich wueste das 20 Familienmitglieder draussen vor der Tuer stehen wuerde ich das ganze happening verschieben lassen. Ich frage mich wie die alle davon erfahren haben und warum minuetlich neue Verwandte reinkommen, ihr Smartphone gleich zuecken um den Facebook Freundeskreis zu informieren das man jetzt bei "Juanita im Hospital" ist. Der eine, wie ich mittlerweile weiss der Bruder des werdenden Vaters, hat seinen Sonntagsanzug an. So zu mindest wirkt sein weisser Adidas Anzug. Nur die Neon-Pinken NIKE sneaker zerstoeren das ensamble. Er laeuft die ganze Zeit auf und ab und ist aufgeregter als die werdende Oma, sprich seine Muuter. Die wiederum weint weil sie dies so ruehrend findet, worauf hin die 14 jaehrige Cousine ihn umarmt, streichelt und sagt "Du bist so erwachsen geworden, wir haben uns lange nicht mehr gesehen. Wir sollten uns mal wieder treffen". Das erinnert mich daran wie Sandra mich darueber aufklaerte das Gran Canaria eigentlich nur aus einer Hand voll Familien besteht. Alles Inzestioese Extra Behanldungen hier. Das alles ist mir dann doch etwas zu viel Game of Thrones in real.
Ich schaue rueber zum anderen Gebaeude. Es ist genau so gross wie dieses Kinderkrankenhaus. Es ist genau so hoch. Es hat nur ein paar Betten mehr. Achter Stock, Krebs Sammelebene. Ich zaehle die Stockwerke und faende es ein schoenes Wortspiel wenn jedes einzele nach einem Sternzeichen benannt wird. So faellt es nicht auf wenn es heisst "Er ist im Krebs Stockwerk!"
Ich erinnere mich daran wie ich am 21.12. letzten Jahres dort mit meiner Mutter auf ihre Untersuchung wartete. Spaet Abends. Im Wartesaal waren drei mal so viele MEnschen wie jetzt hier aber jener Wartesaal ertrank in dem Meer aus Angst-Schweissperlen. Jedem Schlucher folgte ein Echo, nicht des Raumes, sondern weil andere die Angst erfuellt waren die Gunst nutzten um hinterher zu schluchzen damit man nicht weiss wer da so schwach vor sich hin wartet. Dabei leiden in dem Raum alle denn wer hier ist, hofft bestimmt nicht auf eine Freifahrt. Diese Stille hatte nur zwei Gegner. Der eine kam in regelmaessigne Abstaenden von dem Aggregat des Getraenkeautomaten daher. Der andere in eher unregelmaessigen Intervallen aus dem Lautsprecher der einen Familien-Namen erschallen lies, gefolgt von der Information in welchen Raum man sich zu begeben habe.
Und jetzt? Jetzt sitze ich hier in der Kinderklinik im Wartesall mit zwei Familien. Es stellt sich heraus das beide zur gleichen Geburt wollen, es aber anscheinend miteinander nicht so gut meinen. Und wir dazwischen.
Als ich erkenne das eine aeltere Frau zu uns rueber schaut und ihre Nachbarin fluesternd aber doch so laut das wir es verstehen koennen, fragt zu wem wir eigentlich gehoeren, schaue ich meine Bekannte an und sage zu ihr: "Hoffentlich verheilt die alte Narbe und sie stirbt nicht daran!"
Stille. Ich spuere die milliarden Augen die auf mich starren und auf derne Koepfe Fragezeichen haemmern. Spaeter werde ich erfahren das dies der einzige Moment war in dem sich beide Familien fragend anschauten.
Ich ziehe den SPIEGEL hervor und beginne an ihn zu lesen. Binnen einer Nano-Sekunde wird allen klar das ich weder zu der einen, noch der anderen Seite gehoere. Erleichterung. Es wird sofort wieder laut, Smartphones gezueckt und auf und ab gegangen.
Um es in einem Satz zu sagen den ich gestern gelernt habe: alle waren vollkommen aus dem Hoeschen!